Wir fordern nichts, wir wollen alles!
In vielen Ländern dieser Welt gehen Menschen für ihre Rechte und ihre Freiheit auf die Straße, um die bestehenden Verhältnisse zu stürzen.
Warum nicht auch hier?
Die deutsche Realität ist geprägt von sozialer Ausgrenzung und Kürzung der lebenswichtigen Grundversorgung, bei gleichzeitiger Medienhetze gegen jeden sich hegenden Widerstand, der diese lebensfeindliche Unterdrückung durch Staat und Kapital kritisiert.
Dabei sind es nicht einzig die Bullen, die auf uns einprügeln und uns einsperren, oder die politische Legislative die Gesetze erlässt, um uns zu knechten. Verantwortlich sind auch all die Menschen, die dagegen keinen Widerstand leisten und täglich durch ihre ach so gesellschaftlich wertvolle (“Lohn”-) Arbeit den reibungslosen Ablauf der Verwaltungsmaschinerie möglich machen. Eine Maschinerie, die nach bester deutscher Bürokatie tötet, ob auf der Straße oder am Schreibtisch. Wer schweigt, stimmt zu!
Wir können nicht sagen, warum hier kaum irgendwer “Stopp” schreit. Ob es daran liegt, dass es den Menschen hier noch nicht schlecht genug geht oder ob es sich einfach um eine traditionelle Unterwürfigkeit handelt, resultierend aus Jahrhunderten monarchistischer und anschließend faschistischer Herrschaft, die sich in die Hirne der Bevölkerung eingebrannt hat. Tatsache ist, dass es in Deutschland kaum nennenswerte Proteste gegen die bestehende Scheiße gibt. Sicherlich gibt es Demonstrationen, die auch mal bis zu einer viertel Million Menschen locken. Jedoch ist ein Großteil dieser Leute, weil Mitglieder der etablierten Parteien und Gewerkschaften, direkt verantwortlich für das was hier läuft. Außerdem ist diese Masse Mensch auch gar nicht gewillt, reale Veränderungen zu erkämpfen. Mensch beschwert sich und damit ist gut. Veränderungen würden ja den Verlust des eigenen gesellschaftlichen Status bedeuten und der vielen Privilegien, mit denen es sich einige verdammt bequem gemacht haben. Z.B. die wirtschaftlichen Privilegien die bestehen, weil andere Teile der Welt in die Scheisse geritten wurden. Diese Verhältnisse werden seit langer Zeit mit aller Gewalt aufrechterhalten.
Warum wir nichts fordern!
Es macht keinen Sinn, sich mit Forderungen an eine Regierung zu wenden. In einem politischen System, welches Macht in die Hände von Regierenden legt, die von nicht einmal einem Viertel der Bevölkerung gewählt wurden, kann Mensch wohl kaum darauf hoffen, mit Anliegen, die das Leben der Menschen und nicht ihre kapitalistische Verwertbarkeit begünstigen, Gehör zu finden. Deshalb macht es überhaupt keinen Sinn, uns mit Forderungen an eine Regierung zu wenden.
Vor Allem aber müssen wir denen, die uns beherrschen wollen, diese Herrschaft nicht zugestehen!
Vor Allem brauchen wir uns nicht in Bitten und Betteln selbst entmündigen!
Vor Allem müssen wir dafür sorgen, dass das, was uns nicht passt, nicht mehr länger passiert!
Wir sind durchaus in der Lage unser Leben selbst zu bestimmen. Dies kann aber nur funktionieren, wenn der Wunsch des Regiert werdens und des Regierens zerstört, wenn der staatliche Unterdrückungsapparat zerschlagen, wenn die Regierung entmachtet und nicht zuletzt auch der Bulle im Kopf getötet wird und die eigenen Grenzen aufgebrochen werden. Dann ist es möglich, kapitalistische Wertelogik durch kollektive Selbstorganisation zu ersetzen. Ein Kampf gegen das System muss zur Alltäglichkeit und immer so anithierarchisch und solidarisch wie möglich geführt werden.
Insurrection Days!
Für viele Menschen ist es schwer einen Anschluss zu finden, sich zu organisieren oder über die eigenen Ortsgrenzen hinaus tätig zu werden. Wir wollen eine Plattform bieten, um sich kennenzulernen, sich zu vernetzen, gemeinsam zu kämpfen und voneinander zu lernen. Wir wollen versuchen, stärker die Initiative zu erlangen und gemeinsam, wenigstens erst einmal für ein paar Tage ein Klima der Unsicherheit und Verlustängste für die Staatliche und Gesellschaftliche Obrigkeit zu erzeugen, bzw. das Normengefüge von Staat und gesellschaftlichen Autoritäten zu erschüttern und somit das Gewaltmonopol in Frage stellen.
Am 1. Mai wissen die Bullen wann und wo es Knallen könnte und waren in den letzten Jahren bestens darauf vorbereitet. Die Nächte und Tage davor wollen wir uns jedoch selbst gestalten. Mal bunt, aber auch tiefschwarz, mal friedlich und bestimmt, mal mit feuriger Wut.
Tage des Aufstandes
Autonome und Anarchistische Gruppen rufen dazu auf, sich vom 26. April bis zum 1. Mai in Berlin an den "Insurrection Days 2012" zu beteiligen. Es wird zu vielfältigen Aktionen des bewußten Widerstands, des bewußten Bruchs mit der Alltäglichkeit des Kapitalismus aufgerufen. In einer Ankündigung zu den Aktionstagen heißt es bezüglich des Revolutionären 1. Mai: "Wir haben die Woche vor dem 1. Mai gewählt, um diesen wieder zu repolitisieren, quasi als „Auftakt“ wobei die Insurrection Days nicht darauf reduziert werden dürfen, vielmehr kann der 1. Mai sich in das Konzept der Insurrection Days eingebunden fühlen."
Mit den Aktionstagen soll auch die Diskussion über Aufstand an sich, den Begriff des Insurrektionalismus, forciert werden, in Bezugnahme auf Diskussionen und Aufstandssituationen wie u.a. in Griechenland oder in England.
Infos/Homepage: http://insurrectiondays.noblogs.org/
Insurrection Days 2012!
insurrectiondays.noblogs.org
Wer wir sind und was wir wollen
Anhand der breit geführten Diskussion um die Insurrection Days innerhalb einer radikalen autonom/anarchistischen Szene konnten wir feststellen, dass es einiges an Missverständnisse und Klärungsbedarf zu geben scheint. Vor allem darum, was unsere Aufgabe als Vorbereitungskreis ist, sein könnte oder sollte, gab es doch einiges an Verwirrung. Ebenso um den Begriff des Insurrektionalismus und seine Umsetzbarkeit innerhalb des Konzepts der Insurrection Days 2012.
Zuerst vielleicht mal ein paar Worte zu uns als Vorbereitungskreis.
Viele wollen natürlich wissen wer sind die, wer steckt hinter den Inssurection Days?
…ätsch sagen wa nich!
Spaß bei Seite, wir sind ein loser Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen emanzipatorischen Zusammenhängen, die sich zusammengefunden haben um der Gesamtscheiße in dieser Gesellschaft etwas entgegenzusetzen. Unsere Interessen sind breit gefächert und jemensch hat andere Steckenpferde. Wir sind faule Socken und Sportler_Innen, Schüler_Innen, Student_Innen, Lohnarbeiter_Innen und Hart4ler_Innen, Anitfaschist_Innen, Hedonist_Innen, Punx, Hausbesetzer_Innen, die nette WG von nebenan, manchmal sind wir unglaublich wütend, glücklich, traurig, motiviert….. und vor allem haben auch wir immer noch nicht die Lösung gefunden.
Auch wir können uns aus dem kapitalistischen Normengefüge nicht gänzlich ausgliedern.
Dabei ist es nicht unser Ziel, einen Aufstand vom Zaun zu brechen. Nicht weil wir dieses Unterfangen nicht für wünschenswert halten, sondern weil wir es für sehr schwierig halten einen Aufstand als Ziel zu definieren.
Der Begriff Inrurection Days ist vielmehr aus dem Grund gewählt worden, um eine breite Diskussion und Auseinandersetzung mit diesem Thema anzuregen, gerade in Hinblick auf die aktuellen Ereignisse wie beispielsweise in Griechenland oder England.
Aus diesem Grund halten wir es für angebracht noch einmal etwas genauer auf den Begriff „Aufstand“ einzugehen.
Für die Einen ist „der Aufstand“ das Erheben der Volksmassen gegen die Regierung und der Sturz dieser. Für andere beginnt ein Aufstand schon in der Auflehnung des_R Einzelnen gegen das bestehende Normengefüge und dem damit einhergehenden „Regelbruch“.
Wir wollen uns auch nicht anmaßen, den Begriff des Aufstands endgültig zu definieren, eher wollen wir erklären, was wir unter einer aufständischen Situation verstehen.
Für uns spielt es eine untergeordnete Rolle, wie Mensch das aufständische Verhalten definiert, viel wichtiger ist für uns das Bewusstsein des Ausbruchs aus der alltäglichen Normalität und das daraus resultierende Widerstandsbewusstsein des einzelnen Menschen. Wenn Mensch zuvor noch nie schwarz gefahren ist oder sich gegen Autoritäten zur Wehr gesetzt hat, ist dies für sie/ihn ein Moment, in dem er/sie mit der alltäglichen Norm gebrochen hat. Es geht auch um die eigene Erfahrung die Mensch mit dem persönlichen Widerstand gegen Fremdbestimmung macht. Warum sich nicht das nehmen, was wir zum Leben brauchen? Warum nicht das angreifen, was uns daran hindert unser Leben selbst zu bestimmen? Warum nicht…
Dabei geht es nicht um einen Maßstab für Militanz. Durch die verschiedenen Aktionsformen, ob jemensch die Bullen angreift, Flyer verteilt, um auf soziale und/ökologische Missstände aufmerksam zu machen, ein Haus besetzt oder ein kostenlos Konzert veranstaltet, einen Bundesstaatsanwalt kidnapt oder das erste mal bei Aldi klauen geht, entstehen immer wieder aufständische Momente. Wichtiger ist für uns, dass all diese Menschen ihre Aktion als bewussten Widerstand (Bruch mit der kapitalistischen Alltäglichkeit / dem gesellschaftlichen Gefüge) wahrnehmen. Radikalität bedeutet für uns auch, Missstände an den Wurzeln zu kritisieren und auf allen Ebenen zu bekämpfen. Für uns sind die Bäuer_Innen, im Wendland, die versuchen mit den Traktoren den Castor zu behindern genauso radikal, wie Antifaschist_Innen, die einen Naziaufmarsch verhindern oder die junge Kreuzbergerin, welche dem Bullen eine Parfümflasche auf den Kopf haut.
Dabei wäre es wünschenswert, wenn die Widerstandsformen nicht ausschließlich auf Quantität abzielen, sondern auch qualitativ nachhaltig sind. Dies liegt jedoch in der Verantwortung der einzelnen Personen und Gruppen, denn wir können und wollen niemensch etwas vorschreiben.
Natürlich lässt sich ein Aufstand nicht zahlenmäßig definieren, doch genau darin liegt auch die Stärke, denn aufgrund dieser zahlenmäßigen Unberechenbarkeit lässt sich ein Klima der Unsicherheit und Unberechenbarkeit herstellen, welches wiederum zu einem dauerhaften Anspannungszustand führen kann.
Oft kam die Frage auf, weshalb solche „Aktionstage“ überhaupt organisiert werden und was damit erreicht werden soll. Der Anlass für uns war die Tatsache, dass es immer wieder Leute die sich zusammenschließen, um gemeinsam auf Probleme aufmerksam zu machen und sich kollektiv zur Wehr zu setzten. Dabei weiß häufig die eine Gruppe nichts von der Anderen. Zudem kann Niemensch gegen alles allein kämpfen.
Die Insurrection Days können hier eine Basis für gemeinsames Handeln, aber auch für eine Vernetzung sein. Egal ob gegen Nazis, Mietspekulation im Kiez, gegen Arbeit(-slosigkeit), steigende Fahrpreise, gegen Hunger, Sexismus, kapitalistische Verwertungslogik etc., hier können alle Kämpfe gebündelt werden und Jede_r kann von der_m Anderen lernen. Die Insurrection Days sind als temporäre Plattform gedacht, auf der alle progressiven Menschen und Gruppierungen an einem Strang ziehen können.
Ziel könnte es sein, dass der Obrigkeitsglaube in der Gesellschaft abnimmt und die Menschen ihr Handeln nicht mehr am gesetzlichen Rahmen orientieren. Die Formen des Widerstandes werden dabei sehr different sein und von keinem Menschen wird erwartet alles gut zu finden. Doch ist hier auch der Platz zu diskutieren.
Wir als Vorbereitungsgruppe werden zu den Insurection Days den organisatorischen Background stellen. Wir werden dafür sorgen, dass es Räumlichkeiten für Veranstaltungen gibt, ein paar Schlafplätze organisieren, uns darum kümmern, dass es eine Vokü Vepflegung gibt und wir stellen Infostrukturen. Im Vorfeld wird es von uns auch eine Vernetzung mit unterschiedlichen Gruppen geben, um ein möglichst breites Spektrum in die Insurrection Days mit einzubeziehen.
Wir, als Einzelpersonen, werden, allein oder in unseren jeweiligen Bezugsgruppen, versuchen uns wie jede_r andere in das Konzept mit Aktionen und Informationen einzubringen.
Eure Aufgabe wird es sein, die Insurection Days mit Inhalten und Aktionen zu füllen. Ihr könnt Sachen vorbereiten oder euch spontan Leute zusammen suchen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt ;-).
Dabei ist es uns wichtig Niemensch vorzuschreiben, welche Aktions- oder Widerstandsform zu wählen ist, bzw. diese zu bewerten, denn es gibt nicht die einzige Widerstandsform, welche zu jeden Menschen passt. Hierzu wird es einen Online- und Printtimetable geben, in dem wir gerne eure Aktionen und Workshops eintragen werden, sofern dies für die Öffentlichkeit bestimmt ist.
Häufig wurde auch die Frage gestellt, wie wir denn gedenken den Aufstand in einen bestimmten Zeitpunkt zu drängen.
Wir haben die Woche vor dem 1. Mai gewählt, um diesen wieder zu repolitisieren, quasi als „Auftakt“ wobei die Insurrection Days nicht darauf reduziert werden dürfen, vielmehr kann der 1. Mai sich in das Konzept der Insurrection Days eingebunden fühlen.
Der Zeitraum spielt jedoch genau genommen keine Rolle. Wie aus dem Aufruf zu entnehmen ist lautet der Terminzusatz „Immer/ Überall!“ und so ist das auch zu verstehen. Wer immer sich an den Insurection Days beteiligen möchte, kann Ort und Zeit frei wählen. Rein Organisatorisch ist es uns aber nicht möglich, unsere Struktur (lokaler Infopunkt, Räume, Vokü, etc.)immer und überall zur Verfügung zu stellen.
Fangt an!
Verbreitet den Text, schreibt eigene Aufrufe, macht Infoveranstaltungen, bereitet Aktionen vor…